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Sourcing: Die einfache Suche nach komplexen Kandidaten

Vorbei die Zeiten, in denen ein Stelleninserat ausreichte, um eine Flut an Bewerbungen auszulösen. Besonders in leer gefischten Bereichen wie dem IT-Sektor oder dem Ingenieurwesen sind Recruiter inzwischen leidgeprüft. Sourcing Technologien sorgen für Erleichterung.

Arbeitsmarkt: Die Bedeutung neuer Recruiting Technologien steigt

Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat sich 2016 so gut wie nie im vergangenen Vierteljahrhundert entwickelt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sank die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt erstmals seit 1991 unter die Marke von 2,7 Millionen. Doch was des einen Freud, ist des anderen Leid. Für jene, die händeringend nach Fachkräften suchen, sind das alles andere als gute Nachrichten.

Allein in der IT-Branche gibt es derzeit in Deutschland 51.000 offene Spezialisten-Stellen, die kaum besetzt werden können – 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle, repräsentative Studie des Digitalverbands Bitkom, für die mehr als 1.500 Geschäftsführer und Personalverantwortliche von Unternehmen aller Branchen befragt wurden.

Fachkräftemangel macht Active Sourcing zum Muss

Aber auch in anderen Sektoren werden Fachkräfte spürbar knapper. Branchenübergreifend rechnet mehr als jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) laut Bitkom damit, dass es in den kommenden Jahren mehr Arbeitsplätze für gut ausgebildete Beschäftigte geben wird.

Die Herausforderungen im Recruiting werden damit weiter steigen. Denn gerade junge High Potentials sind aufgrund des demographischen Wandels rar. Und die wenigen, die es am Markt gibt, sind stark umworben.

Wer heute Kandidaten für sich begeistern will, kann nicht warten, bis Talente zu ihm kommen – er muss auf sie zugehen. Active Sourcing lautet in diesem Zusammenhang das Zauberwort: Die Direktansprache von Kandidaten – bei Messen, über soziale Medien, Businessplattformen, in Lebenslaufdatenbanken und, und, und.

Was ist Sourcing? Eine Definition.

Aber insbesondere im Online-Recruiting kann Active Sourcing zu einer mühseligen Angelegenheit werden. Es gilt, Businessnetzwerke nach bestimmten Keywords zu durchforsten und potenzielle Kandidaten auf Verfügbarkeit und Eignung zu scannen.

Auf diese Weise die Nadel im Heuhaufen zu finden, kann dauern. Ebenso mühsam gestaltet sich die Suche in Suchmaschinen wie Google, wo sich der Personaler einer schier unüberblickbaren, unstrukturierten Masse an Daten gegenübersieht. Sich einen realistischen Überblick zu verschaffen, ist praktisch ein Ding der Unmöglichkeit.

Zumindest dann, wenn man die Suche nach Kandidaten ohne passende IT-Unterstützung angeht. Personaler können an dieser Stelle aufatmen: Es gibt inzwischen hoch zuverlässige Sourcing Tools, die Recruitern das Leben bei der Online-Recherche erheblich einfacher machen.

Doch was ist Sourcing überhaupt? Unter Sourcing ist die proaktive Suche nach Kandidaten im Recruiting zu verstehen, die sich vorwiegend auf Online-Quellen bezieht. Hierbei geht es im ersten Schritt um das Finden von Informationen über potenzielle Talente – unabhängig davon, ob diese aktiv auf der Jobsuche sind oder nicht. Ihnen kann im nächsten Schritt ein attraktives Jobangebot unterbreitet werden.

Wie funktioniert Sourcing aus technischer Sicht?

Dazu durchsuchen die smarten Sourcing Algorithmen mit nur einem Suchauftrag zeitgleich mehrere (Lebenslauf-)Datenbanken, soziale Medien oder Businessnetzwerke.
Eine Art Google für Personaler also.

Die semantische Suchtechnik der Tools durchkämmt das Netz genau wie Google nach Informationen nach der Booleschen Logik, bei der komplexe Suchmaschinenbefehle (Boolesche Operatoren) zu logischen, langen Suchketten (Strings) verknüpft werden. Nur, dass Sourcing-Lösungen völlig andere Suchparameter und Suchbereiche zugrunde legen als Google.

Warum liefern Sourcing Tools andere Ergebnisse als Google?

Konkret heißt das: Sie dringen in Nischen des WWW vor, die bei Google und Co. in der Tendenz durchs Raster fallen. Dazu gehören etwa Spezialcommunities, in denen sich viele rare Talente tummeln. In erster Linie, um sich fachlich auszutauschen. Nebenbei hinterlassen sie auch Informationen über ihren Werdegang. Für klassische Suchanfragen eines Ottonormalverbrauchers wären diese Inhalte zu speziell. Für Recruiter, die nach hochkompetenten High Potentials suchen, können die Informationen hingegen nicht speziell genug sein.

Selbst technisch ungeschulte Anwender können mit der richtigen Kombination von Keywörtern und Kriterien mit der Sourcing Software ohne größere Mühe den besten Kandidaten finden. Zu den bekanntesten Tools auf dem Markt zählen Talentwunder, TalentBin oder CxSearch, das innerhalb des Applicant Tracking Systems (ATS) von Carerix verfügbar ist und auf der Technologie des niederländischen HR Software-Anbieters Textkernel basiert.

Auf Knopfdruck sucht sie in den Datenbanken großer Karriereportale. Auch soziale Medien wie Xing und LinkedIn bleiben nicht außen vor und regelmäßig kommen neue Quellen hinzu. Aktuelle Neuzugänge sind IT-Fachforen wie GitHub oder Stack-Overflow, in der sich IT-Experten mit hohem Spezialwissen tummeln.

Sourcing Tools filtern nach Passgenauigkeit des Kandidaten

Die zusammengetragenen Informationen über jeden einzelnen Kandidaten werden je nach Passgenauigkeit eines Kandidaten in einem Ranking übersichtlich geordnet. Ähnlich wie in einem gut strukturierten CV lassen sich Name, Lebenslaufinformationen und Kontaktdaten abrufen. Laufende Suchaufträge können jederzeit einfach geändert oder ergänzt werden. Auch das Anpassen der Gewichtung einzelnen Suchkriterien ist mit wenig Aufwand möglich.

Firmen, die im internationalen Umfeld nach Kandidaten suchen, können auch auf Englisch, Niederländisch, Deutsch und Französisch auf das Tool zugreifen. Neue Sprachen werden regelmäßig hinzugefügt.

Verträgt sich Sourcing mit dem Datenschutz?

Und der Datenschutz? Kein Problem! Da ähnlich wie bei den großen Websuchmaschinen ausschließlich auf öffentlich zugängliche Informationen zurückgegriffen wird, ist die Einhaltung deutscher Datenschutzrichtlinien garantiert. Recruiter sehen nur, was Kandidaten selbst von sich im Web Preis geben. Und da alle Informationen aus anerkannten Quellen zusammengetragen werden, entsteht ein authentisches Bild der gefundenen Spezialisten.

Laut der Studie Recruiting Trends, die die Universität Bamberg in Zusammenarbeit mit dem Karriereportal Monster erhebt, eröffnen Sourcing-Tools Unternehmen erhebliche Möglichkeiten, ihre Fachkräfteengpässe zu decken. Zwei Drittel der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass derartige Techniken künftig stärker zum Einsatz kommen.

Denn sie glauben, dass Sourcing Tools…

  • die Rekrutierung beschleunigen (56,3 Prozent)
  • die Effektivität verbessern (50,0 Prozent)
  • eine diskriminierungsfreie Rekrutierung ermöglichen (49,3 Prozent)
  • die Passgenauigkeit verbessern (47,3 Prozent)
  • die Rekrutierung vereinfachen (46,6 Prozent)

Auch die oft geäußerte Angst, der „Roboter“ könnte den Recruiter früher oder später ersetzen, ist unbegründet. Algorithmen können nur Routineaufgaben abnehmen und verschaffen Zeit für das, was wirklich wichtig ist: Der direkte Austausch mit der Ressource Mensch im Jobinterview und in der Onboarding-Phase. Keine schlechten Aussichten, oder?

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